2009 tritt die Abgeltungssteuer in Kraft - und fast zwei Drittel der Deutschen haben noch nie davon gehört. Die Mehrheit der Bundesbürger glaubt nicht davon betroffen zu sein. Die bisherige Spekulationsfrist entfällt. Gut informierte Bürger rechnen mit Kapitalflucht.
Fast zwei Drittel der Deutschen haben noch nie etwas von der 2009 in Kraft tretenden Abgeltungsteuer gehört. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK unter 2000 Bürgern im Auftrag der WGZ Bank hervor, die am Montag vorgelegt wurde. Rund ein Drittel der Befragten kann demnach mit dem Begriff zwar etwas anfangen, aber nur vier Prozent halten sich für gut bis sehr gut informiert.
Ab kommendem Jahr wird der Fiskus von Zinsen, Dividenden und Spekulationsgewinnen pauschal jeweils 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer einbehalten. Die bisherige Spekulationsfrist, wonach Aktiengewinne steuerfrei sind, wenn die Papiere länger als ein Jahr gehalten werden, entfällt. Der bisherige Sparerfreibetrag von 801 Euro für Zinserträge gilt dann für sämtliche Kapitalerträge eines Anlegers.
Damit werden künftig Millionen von Deutschen Steuern auf ihre Kapitalerträge zahlen müssen, die bisher davon unberührt blieben. Dies gilt auch und gerade für Anlagen zur Altersvorsorge. Doch offenbar hat sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt, denn die Umfrage brachte auch hervor, dass nur jeder Vierte (26 Prozent) glaubt von der Abgeltungsteuer betroffen zu sein. Die große Mehrheit jedoch (58 Prozent) ist der Ansicht, dass sie von der neuen Steuer überhaupt nicht tangiert würden. "Viele Menschen beschäftigen sich noch nicht mit diesem Thema, da sie irrtümlich glauben, davon nicht betroffen zu sein", sagt Volker Siedhoff, Abteilungsdirektor für Privatkunden bei der WGZ Bank.
Dies kann jedoch teuer werden, wie eine Beispielrechnung des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) deutlich macht. Wer demnach am 31. Dezember 2008 noch 10 000 Euro in einen Fonds investiert, erhält bei einer angenommenen jährlichen Rendite von acht Prozent nach 30 Jahren 100 627 Euro ausbezahlt. Denn in diesem Fall gelten noch die alten steuerlichen Regeln. Legt er sein Geld jedoch nur zwei Tage später an, am 2. Januar 2009, so muss er für seine Erträge die Abgeltungssteuer abführen und das bedeutet, dass er nach 30 Jahren nur noch auf 75 251 Euro ausbezahlt bekommt. Die Differenz von über 25 000 Euro steckt der Fiskus ein. Und eine Anlagesumme von 10.000 Euro ist sicher nicht so groß, dass dies nur ein Thema für eine Minderheit wäre.
Auch wer mit einem Sparplan mühsam versucht seine künftige Rente aufzustocken, muss ab 2009 entweder seine Sparrate drastisch erhöhen oder aber im Alter mit deutlich weniger auskommen als geplant. Denn wer derzeit beispielsweise monatlich 100 Euro in einen Fondssparplan einzahlt, der konnte bisher bei einer unterstellten Rendite von 8,3 Prozent jährlich und einer Einzahlphase von 30 Jahren anschließend mit einer Rente von 977 Euro rechnen, über 20 Jahre hinweg. Künftig bleiben davon nur noch 769 Euro übrig. Damit stehen dem künftigen Rentner 208 Euro weniger zur Verfügung pro Monat, oder rund 2500 Euro im Jahr. Den Gegenwert einer Urlaubsreise müssen die künftigen Rentner dann an den Staat abführen, Jahr für Jahr. Die Anleger können sich in diesem Jahr noch auf die neuen Steuerregeln einstellen, indem sie bis zum 31. Dezember beispielsweise noch Geld in Investment- oder Indexfonds investieren und diese Anlagen über Jahre liegen lassen. Denn für diese Summen gelten dann noch die alten Regelungen.
Offenbar denken aber viele Anleger auch darüber nach ihr Vermögen ins Ausland zu verlagern. Denn immerhin erwarten 56 Prozent der Befragten in der aktuellen Umfrage der GfK, dass es nach Einführung der Abgeltungsteuer zu einer verstärkten Kapitalflucht ins Ausland kommen wird. In der Gruppe der Selbstständigen unter den Befragten, rechnen sogar 70 Prozent damit und in der Gruppe mit einem Haushaltseinkommen über 3000 Euro sind es sogar 72 Prozent.
Gleichzeitig wissen Selbstständige und Beamte aber auch deutlich besser zum Thema Abgeltungsteuer Bescheid als der Durchschnitt der Bevölkerung. Gleiches gilt auch für die Bürger mit einem Haushaltsnettoeinkommen über 3000 Euro. Dies bedeutet jedoch, dass gerade jene, die am besten über die Abgeltungsteuer Bescheid wissen und die am stärksten davon betroffen sind, auch am stärksten mit einer Kapitalflucht ins Ausland rechnen. Sie werden wissen, warum.
Was fällt denen noch alles ein um Abzocke zu betreiben
Quelle: DPA